GROSS ERFOLGSCOLLEG

Lebenskunst ist ...

... seinen Perfektionismus zu zügeln

Perfektionismus ist keine Tugend, sondern eine der wirkungsvollsten Methoden, sich das Leben unnötig schwer zu machen. Grund genug, sich von ihm zu trennen.
Von Stefan F. Gross

Perfektionismus kostet viel und bringt wenig!

Zwischen Professionalität und Perfektionismus existiert ein Unterschied. Ein Mensch mit Können und Fleiß hat einen Sinn für Balance. Er weiß, dass Aufwand und Ertrag in einem vernünftigen Verhältnis stehen müssen und erkennt, wann er eine Arbeit vollendet hat. Ganz anders der Perfektionist! Er orientiert sich nicht an einem Ziel, sondern an einem Ideal. Kaum ist er mit etwas fertig, packt ihn schon die Zwangsvorstellung, dass er doch noch etwas verändern oder verbessern sollte. Und sofort geht alles wieder von vorne los.

Zum Abschluss zu kommen oder gar mit einem Ergebnis zufrieden zu sein, ist für den Perfektionisten deshalb fast ein Ding der Unmöglichkeit. Während ein anderer schon längst Entspannung findet oder sich einer neuen Tätigkeit zuwendet, umkreist der Perfektionist noch immer seine erste Aufgabe. Für ihn sind 99 von 100 kein Spitzenresultat, sondern ein Kümmernis.

Perfektionismus ist ein Bremser erster Güte.

Ein Problem des Perfektionisten ist, dass er bei seinen Ansprüchen an sich selbst kaum Ausnahmen macht. Die Präsentation für ein Meeting, das Abendmenü für Freunde, die Vorbereitung der Schulaufführung der Kinder, nie ist gut auch gut genug. Die Folgen? Eine Mixtur aus Unzufriedenheit, Dauer-Zeitdruck und Überforderung der eigenen Kräfte.

Zügeln Sie deshalb Ihren Perfektionismus, wenn er das nächste Mal zuschlägt! Er bringt Sie nicht voran, er bremst Sie nur. Die folgenden drei Regeln helfen Ihnen dabei:

1. Fünfe auch mal gerade sein lassen:

Denken Sie daran, was Sie täglich alles zu erledigen haben. Wollten Sie überall perfekt sein, Sie würden auf Dauer gar nichts mehr zustande bringen.

2. Selbstüberprüfung:

Überlegen Sie bei wichtigen Arbeiten, ob Sie in Wahrheit nicht schon längst am Ziel sind und ob es sich wirklich lohnt, noch mehr zu investieren.

3. Weniger Befürchtungen:

Die Frage: „Was könnte mir passieren, wenn ich hier nicht noch mehr leiste?“ ist ein Perfektionismus-Hauptantrieb. Ersparen Sie sich derartige Zweifel! Die Erfahrung zeigt, dass der Empfänger der Leistung längst zufrieden ist, während Sie noch eine Zugabe nach der anderen für ihn draufpacken.

Viel Glück und Erfolg, Ihr Stefan F. Gross!

Erfolgswissen

Lebenskunst ist...

Die Stefan F. Gross-Kolumne aus der
Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung

SZ

Die Kunst der Leichtigkeit

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