GROSS ERFOLGSCOLLEG

Lebenskunst ist ...

... seine Meinung zu sagen

Wenn nicht Sie Ihre Meinung vertreten, wer soll es dann für Sie tun? Deshalb – verzichten Sie ab heute auf überflüssige Hemmungen, wenn es um Ihre Überzeugungen und Interessen geht!
Von Stefan F. Gross

Vertreten Sie Ihren Standpunkt offen, klar und liebenswürdig!

Es gibt Menschen, die haben den Eiertanz zur Kunstform erhoben. Was sie auch tun oder sagen, auf einen Schritt vorwärts folgen zwei nach links, einer zurück und dann wieder zwei nach rechts. Zum Schluss kommt noch ein Hüpfer um die eigene Achse. So haben sie sich zwar bewegt, aber jedes Risiko vermieden, sich zu weit nach vorne zu wagen. Dort könnte ja Unheil lauern! Natürlich haben diese Menschen auch eine Lieblingsspeise. Es ist der heiße Brei. Vor dem können Sie stundenlang sitzen und ihn einfach nur anblicken. Manchmal pusten sie auch ein wenig. Erst wenn er Zimmertemperatur erreicht hat, heben sie vorsichtig den Löffel. Dann legen sie ihn aber gleich wieder hin. Sie könnten sich ja doch noch verbrennen!

Oder direkt formuliert: Viele Menschen haben die größten Hemmungen, offen ihre Meinung zu sagen. Das Thema spielt dabei keine Rolle. Eine Idee. Ein Rat. Eine Kritik. Die Verteidigung ihrer Position. Die Schilderung ihrer Überzeugungen. Was es auch ist, stets tauchen Befürchtungen auf, noch ehe ihnen das erste Wort über die Lippen kommt: „Was könnte der andere denken, was könnte er tun, was könnte mir passieren, wenn ich das jetzt sage?“, so in etwa klingen ihre Sorgen.

Als Folge davon schweigen sie lieber. Oder sie wagen nur Andeutungen. Oder aber sie beginnen ihre Sätze mit Einleitungen, mit denen sie sich so verbiegen, dass selbst ein Gummimensch Gliederschmerzen bekäme: „Also, ich spreche jetzt einfach mal in den Papierkorb...“ „Ich weiß natürlich selbst, dass das, was ich sage, völliger Unsinn ist...“ „Wahrscheinlich ist das jetzt ein ganz schlechter Vorschlag von mir...“ (Besonders die Papierkorb-Floskel ist in manchen Organisationen so weit verbreitet, dass dort jeder neue Mitarbeiter zur Begrüßung einen Abfalleimer mit seinem Namen drauf erhält.)

Vermeiden Sie ein solches Verhalten! Es liefert Ihnen keine Sicherheit und es hilft Ihnen auch nicht, die Zustimmung Ihrer Gesprächspartner zu gewinnen. Im Gegenteil. Es bringt Sie in eine Verteidigungsposition, raubt Ihnen die Überzeugungskraft und erschwert es Ihnen, Ihre Ziele zu erreichen. Vertreten Sie Ihren Standpunkt stattdessen offen, klar und eindeutig. Nur das bringt Sie auf Dauer voran. Hier sind vier Regeln, die Ihnen helfen:

1. Denken Sie daran, dass Sie ein Recht auf eine eigene Meinung haben.

Wenn Sie nicht selbst Ihre Meinung vertreten, wer soll es denn dann für Sie tun?

2. Sorgen Sie sich weniger.

Sie können auch schwierige Wahrheiten aussprechen, solange Sie höflich bleiben, niemanden verletzen und (ganz wichtig!) nicht zum „Rechthaber“ werden.

3. Für ein behutsames Vorgehen gibt es zwei gute Möglichkeiten.

Stellen Sie Fragen: „Was halten Sie von folgender Idee?“ Oder wählen Sie eine positive Einleitung: „Ich denke, das könnte vielleicht eine gute Lösung sein.“

4. Es gibt Ausnahmen.

Man muss nicht immer alles sagen. Und man muss auch nicht immer alles sofort sagen. Manchmal ist es tatsächlich besser, sich zurückzuhalten oder auf einen passenden Zeitpunkt zu warten und erst weitere Argumente zu sammeln. Aber wie gesagt – das sind eben die Ausnahmen!

Viel Glück und Erfolg, Ihr Stefan F. Gross!

Erfolgswissen

Lebenskunst ist...

Die Stefan F. Gross-Kolumne aus der
Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung

SZ

Die Kunst der Leichtigkeit

Mehr zum Thema der Lebenskunst finden Sie im Buch Die Kunst der Leichtigkeit von Stefan F. Gross.