GROSS ERFOLGSCOLLEG

Vorwärtskommen mit Stil und Gefühl

Geben Sie Ihrer Karriere den entscheidenden Kick – ohne Ellbogen, Stress, Überstunden. Alles, was Sie brauchen, ist Beziehungsintelligenz. Sieben sanfte Regeln für mehr Spaß und Erfolg im Job.

Beitrag von Freundin-Redakteurin Birgit Weidt auf Basis eines ausführlichen Interviews mit Stefan F. Gross zu seinem Buch und seiner Konzeption „Beziehungsintelligenz®“.

Eigentlich müsste es ein Schulfach „Fingerspitzengefühl“ geben oder einen Studiengang „Emotionale Brillanz“. Warum? Weil wir bei all unserem Wissensdrang gelegentlich übersehen, dass nicht nur fachliche Fähigkeiten uns im Job voranbringen, sondern in starkem Maße auch die Art und Weise unseres Auftretens: Sympathie, Zuneigung, Mitgefühl entscheiden wesentlich über den Erfolg. Eine von IBM in Auftrag gegebene Studie belegt, dass 85 Prozent unseres Erfolgs darauf zurückzuführen sind, wie wir Kollegen, Vorgesetzte und Kunden für uns gewinnen. „Freundlichkeit und Taktgefühl sind aus Sicht des Geschäftspartners ein Hinweis auf die fachliche Kompetenz“, sagt Job-Experte und Bestseller-Autor Stefan F. Gross („Beziehungsintelligenz“). „Aus der Qualität des Umgangs miteinander schließen andere automatisch auf die Qualität des Könnens.“ Was man durch seine Arbeit zu leisten vermag, kann ein anderer nicht gleich voll-ständig einschätzen, aber wie man ihm begegnet, sieht er sofort. Was sachlich funktionieren soll, muss menschlich gut ankommen: Wer auf andere zugeht, interessante Gespräche führt, eine geschäftliche Begegnung zu einem angenehmen Erlebnis werden lässt, kann seine Pläne besser umsetzen. Hier sieben Regeln, mit denen Sie berufliche Partner zu Ihren Verbündeten machen können.

1. Kontakte pflegen – zu Menschen, die Sie mögen

„Schaffen Sie gute Beziehungen, bevor Sie diese nötig haben! Manch einer neigt dazu, Menschen in wichtig und weniger wichtig einzuteilen. Doch irgendwann kann jeder Kontakt relevant sein“, weiß der Job-Experte. Berufliche Kontakte müssen gepflegt werden. Wer erst dann auf andere zugeht, wenn es Probleme gibt, hat es schwer, jemanden für sich zu gewinnen. Bleiben Sie kontinuierlich mit Ihren (Ex-)Kollegen, Kunden und Geschäftspartnern in Verbindung – ein Lächeln, ein Anruf außer der Reihe, ein Glückwunsch, eine kurze Nachfrage. Wichtig dabei: Nicht schleimen oder den Kontakt zu Menschen suchen, die Sie unsympathisch finden – es bringt auf Dauer nichts, wenn Sie sich verbiegen.

2. Schon gewusst? Sie arbeiten mit tollen Leuten

Feste Arbeitsrhythmen geben Halt und sorgen für eine Struktur, doch die Gefahr besteht, dass man in einen Trott mit zwischenmenschlicher Bremswirkung gerät: Man nimmt Kollegen und Kunden mit ihren Stärken und Eigenheiten kaum noch wahr. Machen Sie deshalb die Dinge anders als gewohnt. Statt morgens beiläufig ein „Hallo“ in den Raum zu werfen und gleich hinter dem PC zu verschwinden, nehmen Sie sich Zeit für einen kleinen Plausch. Mittags gehen Sie mit jemandem in die Kantine, mit dem Sie noch nie essen waren. Schlagen Sie vor, das Brainstorming in den nächsten Park zu verlegen. Machen Sie es zum Thema: Wie bekommen wir mehr Abwechslung in den Arbeitsalltag? Das Ziel: Die Kollegen in neuen Situationen zu erleben und wieder achtsamer mit ihnen umzugehen.

3. Muffel oder Mimose – welche Rollen spielen Sie?

Auch sich selbst sollten Sie bei dieser Gelegenheit mal genauer unter die Lupe nehmen. Die schwierige Aufgabe lautet: Selbstkritik. Welche Ihrer Angewohnheiten kommen eventuell in Ihrem beruflichen Umfeld nicht so gut an? Keine Ahnung? Dann machen Sie eine kleine Fantasiereise: Welches Bild hätten Sie abgegeben, wenn man heute einen Film über Ihre Performance bei der Arbeit gedreht hätte? Wie viel Zeit haben Sie sich für das Gespräch mit dem Kunden genommen? Sind Sie freundlich geblieben, obwohl der Azubi einen Fehler gemacht hat? Waren Sie unpünktlich? Schlecht gelaunt? Zickig? Wenn Ihnen was einfällt, versuchen Sie es, wieder zurechtzubiegen: „Meine Bemerkung vorhin war unangemessen, tut mir leid!“ Fehler vor anderen einzugestehen macht extrem sympathisch!

4. Wer? Was? Wieso? Neugier zahlt sich aus

Wer fragt, führt, beweist durch seine Wissbegierde echtes Interesse und gewinnt wertvolle Informationen. Das gilt vor allem für die Beziehung zu Geschäftspartnern, Kunden, Klienten, Patienten. Fragen Sie, wie es Ihrem Gesprächspartner geht, welche Pläne er verfolgt, was er sich von der Zusammenarbeit mit Ihnen verspricht, welche Perspektiven er sieht. Versuchen Sie zu erkunden, welche Charaktereigenschaften Ihren Partner ausmachen, was für ein Mensch er ist, welche Gemeinsamkeiten es gibt und wo Konfliktpotenzial liegen könnte. So können Sie sich besser auf ihn einstellen: beste Voraussetzung für gute Geschäfte.

5. „Das war nicht übel“ – Loben will gelernt sein

Klar, wissen wir alle: Loben ist wichtig. So wichtig, dass Sie es nicht Ihrem Chef überlassen und außerdem ein paar Grundsätze beachten sollten. Formulieren Sie positiv: „Ihr Vorschlag klingt vielversprechend“ statt „Klingt nicht uninteressant.“ Hüten Sie sich vor verschwommenen Formulierungen wie: „Das haben Sie ziemlich gut gemacht!“ Sagen Sie deutlich: „Es macht richtig Spaß, mit Ihnen zusammenzuarbeiten.“ Je konkreter Sie sind, desto mehr spürt Ihr Gegenüber, dass Ihre Worte ehrlich gemeint sind.

6. Reden ist Gold! Zwei wichtige Smalltalk-Regeln

Das Leben ist manchmal ungerecht. Und so denkt man über maulfaule Kollegen meist nicht „Stille Wasser sind tief“, sondern eher „Oh Gott, hoffentlich muss ich beim Sommerfest nicht neben diesem Stoffel sitzen“. Falls Sie nicht von Natur aus eine Begabung zum Smalltalk besitzen, geben Sie sich einen Ruck und probieren Sie beim nächsten Stehrumchen im Job die folgenden zwei Dinge aus: Erzählen Sie von einer privaten Unternehmung, die Ihnen richtig Spaß gemacht hat: ein Ausflug, ein Film, ein Buch. Wer mit Leidenschaft von einem Thema redet, weckt immer Interesse bei anderen. Und: Stellen Sie Ihren Gesprächspartnern offene Fragen, also solche, auf die man nicht mit Ja oder Nein antworten kann, sondern solche, die eine längere Erklärung erfordern. Das erleichtert dem anderen, in die Unterhaltung einzusteigen und sich selbst zu öffnen. Zum Beispiel: „Tolle Idee! Wie sind Sie darauf gekommen?“

7. Tratsch, Klatsch, Geläster: nicht übertreiben

Nur ungern spielen wir die Spaßbremse, aber es ist wahr: Wer mit zu viel Begeisterung über Dritte ablästert, schadet sich. Die anderen hören zwar geifernd zu, doch später werden sie sich fragen, ob man nicht irgendwann genauso über sie herziehen wird! Gegenüber Kunden sollten Lästereien generell tabu sein, Sie verlieren dadurch an Souveränität und Vertrauenswürdigkeit. Im Inner Circle dürfen natürlich schon mal pikante Neuigkeiten ausgetauscht werden, aber Sie müssen ja nicht als Wortführerin auftreten. „Verbreiten Sie nur Informationen, die Sie belegen können“, so Job-Experte Stefan F. Gross. Wenn Sie das Gefühl haben, es wird ungerecht, ist es geschickter, das Urteil zu mildern und nach positiven Seiten des Tratschopfers zu suchen.

Erfolgswissen

Der Artikel erschien in Freundin Heft 11/2008 vom 21.5. und auf freundin.de am 20.5.2008

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