GROSS ERFOLGSCOLLEG

Sieben Fragen, sieben Antworten

Wie wir unsere Kräfte richtig dosieren, am besten mit Niederlagen umgehen und das Private schützen.

Antworten von Stefan F. Gross auf Fragen von Lesern von sueddeutsche.de zum Thema Lebenserfolg.

Wie kann man seine Kräfte optimal dosieren?

Drei Regeln. Erstens: Analysieren Sie, was Ihnen überhaupt an Kräften zur Verfügung steht. Zeitlich? Von Ihrer Energie und Schaffenskraft her? In Bezug auf die Unterstützung durch Dritte? Finanziell?

Zweitens: Konzentrieren Sie sich mit diesen Ressourcen auf das, was in Ihrem Leben wirklich wichtig für Sie ist. Vergeuden Sie also Ihre Zeit und Kraft nicht mit Nebensächlichkeiten. Überlegen Sie vielmehr, welche Menschen, Ziele, Aufgaben und Tätigkeiten für Sie oberste Bedeutung haben und richten Sie Ihre Kräfte entsprechend aus.

Drittens: Überlegen Sie immer, was Sie mit einer bestimmten Aktion oder Handlung in Wahrheit erreichen. Bringt sie Ihnen tatsächlich den gewünschten Fortschritt? Ist sie überhaupt erforderlich? Was gibt es für Alternativen? Lohnt sich also der Einsatz Ihrer Kräfte auf diesem Feld oder gibt es bessere Möglichkeiten?

Ist Ärger nicht auch manchmal angebracht?

Ja! Ärger hat durchaus auch Vorteile. Einer besteht darin, dass Ärger bei einem selbst auch Kräfte freisetzt. Je häufiger man sich über eine bestimmte Angelegenheit ärgert, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man irgendwann doch zur Tat schreitet und die erforderlichen
Veränderungen vornimmt.

Zudem gibt es immer wieder Situationen, in denen es sehr wohl angebracht ist, einem anderen zu zeigen, wie unangemessen und "ärgerlich" man sein Verhalten findet. Aber – und darauf kommt es an – völlig fortreißen lassen sollte man sich von seinem Ärger nie. Bei allem Ärger kühlen Kopf bewahren und den anderen niemals beleidigen oder verletzen, so lautet die Regel!

Was tun, wenn man gerade eine schlimme Niederlage erlitten hat?

Hier gibt es eine Reihe von Empfehlungen.
Erstens: Man sollte sich klar machen, dass man sich in einer gefühlsmäßigen "Schockphase" befindet und die Dinge weit negativer bewertet, als sie in Wahrheit sind. Man muss also wissen, dass bereits wenige Tage ausreichen, um zu einer Sicht zu kommen, die weniger pessimistisch ist.

Zweitens: Versuchen Sie zu analysieren, welche Wirkung die (vermeintliche) Niederlage in Wahrheit hat – sind die Folgen tatsächlich so negativ oder gibt es vielleicht sogar positive Nebenwirkungen?

Drittens: Denken Sie in einer solchen Situation daran, dass Rückschläge ein Teil der Normalität sind. Jeder Unternehmer, jeder Politiker, jeder Sportstar hat in seinem Leben bereits die größten Niederlagen erlitten. Sie sind also nicht der Einzige!

Viertens: Betrachten Sie die Ursachen und überlegen Sie, was Sie beim nächsten Mal anders und besser machen können. Nutzen Sie also den Vorfall als "Ideenauslöser" für Ihr künftiges Handeln.

Und fünftens: Motivieren Sie sich selbst. Machen Sie eine Liste mit den Dingen, die Sie erreicht haben, auf die Sie stolz sind und über die Sie sich freuen können.

Wie kann man das Privatleben schützen, wenn der Job zu viel Zeit verschlingt?

Das Standardproblem schlechthin! Überlegen Sie mit größter Entschlossenheit, ob es nicht doch Möglichkeiten gibt, einige Stunden mehr pro Woche für das Privatleben zu gewinnen. Ein Faktor ist dabei die Fähigkeit, auch einmal "Nein" zu sagen und ein bestimmtes Anliegen eines Kollegen oder Kunden abzulehnen.

Kämpfen Sie also weit furchtloser als bisher um Ihre Freiheit! Nutzen Sie zudem die Zeit, die Sie
für das Privatleben haben, besser aus. Stoppen Sie die Routine und sorgen Sie für mehr Abwechslung. Achten Sie auf eine positive Stimmung. Belasten Sie Ihren privaten Partner nicht zu stark mit Ihren beruflichen Problemen. Schaffen Sie einmal pro Woche (oder alle zwei Wochen) ein besonders "Highlight" (Theater, Restaurantbesuch, Kurzreise, ein kleines Geschenk etc.), mit dem Sie Ihren Partner (Ihre Partnerin) erfreuen. Betrachten Sie Ihr Privatleben als einen Bereich, den Sie ebenso "professionell" zu gestalten haben, wie Ihr Berufsleben.

Was tun, wenn man sich jeden Tag vornimmt: Ab morgen wird alles besser. Und dann bleibt doch alles gleich. Wie kommt man aus diesem Hamsterrad heraus?

Verlassen Sie die Ebene der allgemeinen Formulierungen und schreiben Sie auf, was ganz konkret (!) besser werden soll. Was belastet Sie besonders? Was ärgert Sie immer wieder? Welche Ziele möchten Sie unbedingt erreichen? Wie wollen Sie im Einzelnen leben? Formulieren Sie anschließend die Maßnahmen, die dafür nötig sind. Was ist zu tun, was sollten Sie anders machen als bisher? Gehen Sie dann Schritt für Schritt an die Realisierung. Versuchen Sie nicht alles auf einmal zu ändern, sondern beginnen Sie dort, wo es Ihnen besonders wichtig erscheint oder wo Sie die besten Erfolgsmöglichkeiten sehen. Und bleiben Sie "am Ball". Wenn Sie eine bestimmte Einsicht gewonnen und eine bestimmte Entscheidung getroffen haben, dann handeln Sie auch entsprechend.

Haben Sie einen Rat für einen Perfektionisten (der sich an seinem Perfektionismus aufreibt, unter anderem weil er auch die Arbeit anderer korrigiert)?

Der Duden übersetzt "perfekt" mit "so gut, dass nicht das geringste daran auszusetzen ist". Das aber ist ein Anspruch, der sich weder im Berufsnoch im Privatleben wirklich erfüllen lässt. Irgendetwas lässt sich immer finden, was man noch verbessern könnte (sonst gäbe es ja auch keinerlei Fortschritt mehr bei der persönlichen Entwicklung – und das wäre erst recht alles andere als "perfekt".) Erhöhen Sie also Ihre Gelassenheit. Denken Sie daran, dass das langfristige Gesamtergebnis zählt und dass ein gutes Gesamtergebnis nur möglich ist, wenn man sich nicht im Kampf um perfekte "Detailleistungen" aufreibt. Die Zeit und Energie reichen einfach nicht aus, um überall und in jeder Hinsicht ein Idealresultat zu erzielen.

Achten Sie zudem stärker auf die Wirkung dessen, was Sie tun. Wenn Sie mit einer bestimmten
Leistung erreichen, was Sie sich vorgenommen haben, dann bringt ein zusätzlicher Kraftakt
keinerlei Gewinn. Und trennen Sie sich von der Vorstellung, auch noch die Arbeit Ihrer Mitmenschen erledigen zu müssen. Wenn Sie damit anfangen, dann sind Sie sieben Tage und 24 Stunden im Einsatz. Nutzen Sie Ihre Zeit lieber für sich persönlich und um Ihr Leben zu genießen!

Bei all meinen Bemühungen dem Lebenserfolg näher zu kommen, stelle ich immer wieder fest, dass die grösste Bremse dabei sich selbst auferlegte Prinzipien und anerzogene Verhaltensweisen sind. Diese stehen einem oft im Wege und ich stelle immer wieder fest, wie schwer es ist, teilweise auch nur einen Zentimeter davon abzuweichen. Gibt es dafür eine Lösung bzw. einen Lösungsansatz?

Selbstverständlich ist es schwierig, sich von Prinzipien und Verhaltensweisen zu trennen, die einen so lange begleitet haben, dass sie fast schon einen Teil der eigenen Persönlichkeit ausmachen. Was kann man tun? Hier einige Empfehlungen, die vielleicht helfen können:

Machen Sie sich bewusst, dass die Entwicklung Ihrer Persönlichkeit eine Daueraufgabe ist. Betrachten Sie deshalb eine mögliche Veränderung Ihrer Lebensprinzipien nicht als "negativen Bruch", sondern vielmehr im positiven Sinne als Anpassung an neue Lebensverhältnisse und Lebensanforderungen. Mit 38 Jahren sieht man die Welt anders als mit 28 oder mit 48 Jahren. Die Herausforderungen sind auch andere. Dem sollte man Rechnung tragen.

Der entscheidenden Begriff lautet dabei "EDV" - Einstellung, Denkweise und Verhalten. Alle drei Elemente hat man bei sich immer wieder zu überprüfen. Was an meiner Lebenseinstellung hat mir bisher geholfen, was hat sich als richtig erwiesen - und was hat mir eher geschadet oder sich
als unzutreffend erwiesen? Welche persönlichen Überzeugungen und Grundsatzentscheidungen stimmen nach wie vor, so dass ich sie beibehalten sollte - und auf welchen Gebieten sollte ich meine Denkweise vielleicht verändern? Welches Verhalten hat mich in der Vergangenheit bei meinen Plänen und Zielen unterstützt - und was hat mir immer wieder geschadet? Alles das sind Fragen, um die es geht. Vieles von dem, was einem in einer bestimmten Lebensphase als unumstößliche Wahrheit erscheint, betrachtet man Jahre später nur noch mit Kopfschütteln.

Konkret würde ich dabei wie folgt vorgehen: Ich würde die Dinge ganz bewusst testen, im Sinne eines "Selbstversuches". Was geschieht, wenn ich mich einmal anders als bisher üblich verhalte, bei meinem Denken und mit meinen Taten. Was ist das Ergebnis? Bringt es mich meinen Zielen näher? Wie fühle ich mich dabei? Wie reagieren meine Partner? Wie ist die"Gesamtwirkung"?

Und dann würde ich anfangen zu überlegen, wie ich das, was sich dabei als vorteilhaft und "richtig"
erwiesen hat, in meine Verhaltensroutine integrieren kann. Man kann ja ein regelrechtes "Tagebuch" dabei führen: Was habe ich heute Neues gelernt? Was war positiv, was negativ? Welche Schlussfolgerungen ergeben sich daraus für mein künftiges Denken und Verhalten? Ganz wichtig dabei: Oft helfen schon Kleinigkeiten und immer ergibt sich eins aus dem anderen. Entscheidend ist also, dass man mit Veränderungen überhaupt startet!

Erfolgswissen

Der Artikel erschien am 12.5.2004 auf

SZ